Naturheilverfahren

Allgemeine Informationen
So klar dieser Begriff auf den ersten Blick erscheint, so schwierig ist seine genaue Definition. In den letzten Jahren sind viele Therapieformen entstanden, die sich zu den „Naturheilverfahren“ zählen, einige davon mit sehr fragwürdigem medizinischem Nutzen. Auch die früher übliche Gegenüberstellung von „Schulmedizin“ und „Naturheilverfahren“ ist heute weitgehend aufgehoben worden. „Es gilt...kein „Entweder oder“, sondern ein „Sowohl als auch“, wie es der ehemalige Präsident der Bundesärztekammer Dr. Karsten Vilmar formulierte. Folgerichtig gehören Naturheilverfahren seit mehreren Jahren zu den Prüfungsfächern der medizinischen Staatsexamen an den Universitäten.

Welche Heilverfahren zählen zu den Naturheilverfahren?
Zu den klassischen Naturheilverfahren gehören die Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Ernährungstherapie und Phytotherapie. Zusammen mit der Thermotherapie, den Ausleitenden Verfahren und den Massageverfahren sind sie Inhalt der ärztlichen Zusatzbezeichnung „Naturheilverfahren“, die von der Landesärztekammer vergeben wird.

Hydrotherapie
Temperatur- und mechanische Reize werden mittels Wasser zur Beeinflussung von Krankheitsprozessen eingesetzt. Schon im Altertum bekannt wurde sie in der Neuzeit durch Vinzenz Prießnitz („Prießnitz-Wickel“) und Pfarrer Sebastian Kneipp („Kneipp-Güsse“) erneut als ärztliche Heilmethode eingeführt.

Chirotherapie
Sie dient der Diagnostik und Therapie von Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat und wurde zu einer eigenständigen ärztlichen Zusatzbezeichnung. (siehe „Chirotherapie“)

Neuraltherapie
Akute und chronische Schmerzzustände sowie funktionelle Störungen werden durch gezielten Einsatz von Lokalanästhetika behandelt. (siehe „Neuraltherapie“)

Akupunktur
Aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) kommend, wurde sie in unserem Jahrhundert in Europa in der Schmerztherapie und zur Behandlung funktioneller Störungen „neu“ entdeckt. (siehe „Akupunktur“)

Physikalische Therapie
Hierzu gehören die Elektrotherapie wie Iontophorese, TENS, Kurzwelle und Ultraschall, sowie die Thermotherapie wie Fango, Rotlicht, Bäder.

Bewegungstherapie
Sie beinhaltet unter anderem die Krankengymnastik, Ergotherapie und Sporttherapie.

Massagetherapie
Verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Grifftechniken und Lymphdrainage werden unterschieden.

Ausleitende Verfahren
Hierzu gehört u.a. das Schröpfen. Mit Schröpfglocken werden die jeweiligen Schröpfzonen oder Reflexzonen der einzelnen Organe angeregt.

Enzymtherapie
Verschiedene pflanzliche oder tierische Enzyme werden bei der Behandlung entzündlicher und degenerativer Erkrankungen eingesetzt.

Ernährungstherapie
Hierzu gehören das Heilfasten sowie verschiedene Nahrungsformen und Ernährungsregeln als Grundlage einer gesunden Lebensführung.

Phytotherapie
Dieses wichtige Gebiet umfasst die Nutzung von Pflanzen und pflanzlichem Material. Wirksamkeitsprüfungen, wie sie in der Schulmedizin gefordert werden, sind an den meisten pflanzlichen Heilmitteln der Phytotherapie bereits mit positivem Ergebnis durchgeführt worden. Die Jahrtausende alte Therapie bekommt so in unserer Zeit wieder einen neuen Stellenwert, zudem sie den Vorteil hat, weitgehend frei von Nebenwirkungen zu sein.

Homöopathie
Die Wirkstoffe werden in mehreren Potenzen verdünnt verabreicht und regen nebenwirkungsarm die Selbstheilungskräfte des Organismus an.